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So kurz vor der EM kann man sich vor Vorhersagen, wer Europmeister wird, gar nicht mehr retten. (Wobei ich bis jetzt jedenfalls diverse Tier-Orakel vermisse. Was ist da los?) Um das Ganze etwas methodischer anzugehen, finde ich 3 Ansätze sehr interessant:

  1. Wettquoten
  2. Elo-Rating
  3. FIFA Weltrangliste

Wettquoten sind – denke ich – mehr oder weniger selbsterklärend. Sie haben den Vorteil, dass sie alle verfügbaren Informationen “einpreisen” (bspw. Heimvorteil) und durch eine große Anzahl motivierter Wetter (Profis und Amateure) zustande kommen. Als Beispiel hier mal die aktuellen Quoten von bwin (mit implizierter Wahrscheinlichkeit in Klammern):

  1. Frankreich   4.2 (24%)
  2. Deutschland   4.5 (22%)
  3. Spanien   6.5 (15%)
  4. England   9.5 (11%)
  5. Belgien   10.0 (10%)
  6. Italien   15.0 (7%)

So weit, so langweilig, die üblichen Verdächtigen. Spannend allerdings für die EM, kein klarer Favorit.

Jetzt Elo: Das Konzept ist eigentlich aus dem Schach (siehe Wiki) und funktioniert vereinfacht wie folgt: Für jedes Spiel wird ein erwartetes Ergebnis berechnet. Ist eine Mannschaft dann besser als erwartet, steigt ihr Rang entsprechend. Dabei wird außerdem berücksichtigt, wie wichtig das Spiel (Freundschaft, Quali, Turnier etc.) war (siehe hier für die detaillierte Berechnung). Hier sind die Top 6, Rating und Veränderung zum Vorjahr in Klammern.

  1. Deutschland (2011, -93)
  2. Spanien (1993, +61)
  3. Frankreich (1952, +21)
  4. England (1947, +44)
  5. Niederlande (1903, -97)
  6. Belgien (1896, +8)

5 der 6 sind identisch zu den Wettquoten, die Reihenfolge der Top 3 leicht anders. (Unglaublich, dass sich Holland nicht qualifiziert hat. Eine der größten Enttäuschungen im Fußball.) Dieses System ist rein Ergebnis getrieben. Das ist einerseits gut (weil unverzerrt), andereseits schlecht (weil es Entwicklungen wie Verletzungen ignoriert, die noch keinen Ergebnis Einfluss hatten). Ich denke, der Unterschied zwischen den Wettquoten und Elo liegt im Heimvorteil Frankreichs: Der ist bei den Quoten eingepreist und wird von Elo ignoriert. Spannend auch die Veränderung zum Vorjahr: Spanien und England klar im Aufwind im Gegensatz zu Deutschland.

Als letzte Methode jetzt die FIFA-Weltrangliste, wer kennt sie nicht. Auch hier gibt es eine maximal komplizierte Formel, die Punkte für Ergebnisse abhängig von Stärke des Gegners und Wichtigkeit des Spiels gibt. Dabei ist wichtig, dass Ergebnisse des letzten 4 Jahre berücksichtigt werden, aber ältere Ergbenisse weniger zählen als die aktuellen (siehe hier für Details). Also:

  1. Belgien  (1384)
  2. Deutschland  (1310)
  3. Spanien  (1267)
  4. Portugal  (1181)
  5. Österreich  (1077)
  6. England  (1069)

WTF? Österreich? Frankreich fehlt komplett (erst an 10. Stelle), dafür Belgien ganz vorne? Das ganze System steht und fällt mit dem Faktor, der für Wichtigkeit des Spiels gegeben wird und wie sehr Vergangenheit abgewertet wird. Das ist für mich nicht so wahnsinnig schlüssig, aber interessant zu sehen.

Wenn ich wetten müsste, würde ich erst mal 5 EUR ins Phrasenschwein werfen und sagen, dass es keinen klaren Favoriten gibt. Wenn ich mich festlegen muss:

  1. Frankreich
  2. Spanien
  3. Belgien

Was sind eure Tipps? Ich bin auf jeden Fall schwer gespannt!

2 Thoughts on “Wer wird Europameister? Oder: Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel.

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